Unsere geplante Reiseroute 

"die Barfußroute"

Bedeutung des Begriffs "Barfußroute":

lt. WIKIPEDIA:
Bei der Barfußroute umfährt ein Schiff die Erdkugel auf einem ganz bestimmten Seeweg, welcher vorwiegend durch tropische, oder subtropische Gebiete führt. Aufgrund des Klimas und der Witterungsverhältnisse ist es auf Deck so warm, dass die Crew barfuß umherlaufen kann – daher der Name.
Die klassische Barfußroute führt von Europa aus über die Kanaren (evtl. Kapverden), die Karibik, die Südsee, Neuseeland und Australien, über die Torres Straße und Timorsee, dann entweder durch den Suez-Kanal, oder über Mauritius, Madagaskar und um das Kap der guten Hoffnung in Südafrika, zurück zum Anfangspunkt.

Wie kam es überhaupt dazu ?

Rückblick von Martin

Vielleicht muss man wissen , dass ich das Glück hatte, im wunderschönen Nonnenhorn am bayrischen Bodenseeufer, direkt am Wasser aufzuwachsen. Mein Opa war in diesem Ort Berufsfischer und manchmal denke ich, dass er mir seine Gene, sprich die Liebe und Faszination zum Wasser, weitervererbt hat. Der Strand vor unserem Grundstück war mein Spielplatz und so ließ es logischerweise nicht lange auf sich warten, bis ich mit verschiedenen Segelbooten das "Schwäbische Meer" unsicher machte.

Der Gedanke mit einem eigenen Segelboot die Weltmeere zu bereisen, ja evtl. sogar die Welt zu umsegeln, faszinierte mich seit meiner Jugend und der Gedanke an dieses Abenteuer ließ mich fortan nicht mehr los. Ich verschlang im Laufe der Jahre unzählige Bücher zu dieser Thematik und wusste immer mehr:

" Das möchte auch ich irgendwann einmal in die Tat umsetzen."

Der Beruf, die Familiengründung, der Hausbau und die damit verbundenen Verpflichtungen verhinderten damals jedoch eine konkrete Umsetzung des Projekts. Der Gedanke daran, rumorte jedoch über all die Jahre hinweg ununterbrochen in mir - manchmal etwas weniger, aber meist doch sehr intensiv.
Ich merkte und musste mir eingestehen, dass dieses Abenteuer wohl ein Lebenstraum von mir ist.
 
 Lebensträume sollte man unter allen Umständen versuchen zu realisieren, davon war und bin ich nach wie vor überzeugt ...

... und deshalb wusste ich, dass die letzte Chance den Absprung zu schaffen, der Zeitpunkt meiner Pensionierung war.

Zudem hatte ich das große Glück, dass sich meine Partnerin Uschi von meiner Segelbegeisterung anstecken ließ. Auch sie konnte es sich immer mehr vorstellen mit mir in einem Segelboot die Weltmeere zu bereisen, wollte jedoch anfänglich nur bei Teiletappen dabei sein.  Doch irgendwann stand für sie der Entschluss fest: GANZ ODER GAR NICHT und war dafür sogar bereit ihren Job in der Klinik zu kündigen. Für mich der absolute Jackpot !!!
 
Im Sommer 2021 war es dann soweit, meine aktive Berufslaufbahn ging zu Ende und Uschi und ich begannen mit der Mammutaufgabe uns konkret auf das Projekt vorzubereiten und unsere Möglichkeiten auszuloten.

Wir wollten zu Sommerbeginn 2022 starten.

Die Auswahl des Schiffes

Ein absolut entscheidendes Kriterium für die Auswahl des Typs war für uns Seetüchtigkeit & Sicherheit, eher unwichtig Themen wie Geschwindigkeit oder speziell gute Amwind-Eigenschaften. Vom Material her favorisierten wir GFK oder Aluminium, ausgeschlossen war Stahl bzw. Holz.
Schiffe gibt es zwar auf dem Markt "wie Sand am Meer", jedoch eines zu finden, welches den eigenen Ansprüchen gerecht wird, ist gar nicht so einfach - zumindest dann, wenn das Budget begrenzt ist und einen gewissen Rahmen nicht sprengen darf. 
Unsere Wahl fiel schlussendlich im Herbst 2021auf eine:
REINKE 12 S / Aluminium / Werftbau / Baujahr 1997 

Die Vorbereitung des Schiffes

Unser Schiff lag in Griechenland/Kilada auf einer Werft und ab den Wintermonaten 2021/22 pendelten wir  in mehrwöchigen Turnussen zwischen Österreich/Deutschland und Griechenland hin und her. Die Zeit bis zu unserer geplanten Abreise im Sommer war recht knapp bemessen, denn wir wollten unsere "peu a peu II" ja zuvor noch möglichst gut auf die Reise vorbereiten. 
Da das Schiff, aus privaten Gründen des Voreigners, zuvor einige Jahre nicht gesegelt wurde, gab es doch einiges zu tun

  • Obwohl Aluschiffe ja oftmals nicht gestrichen werden, hatte unsere Reinke einen weißen Anstrich, der allerdings in die Jahre gekommen war und aus unserer Sicht erneuert  werden sollte und auch wurde.
  • Wir entschlossen uns ebenso die komplette Elektronik  des Schiffes auf den neuesten Stand der Technik zu bringen und das bedeutete Austausch von Autopilot, Radar, Funk, Echolot, Windgeberanlage, Logge, GPS, Plotter und Navtex. Wir entschieden uns für Raymarine Geräte.
  • Ergänzt wurde das Equipment noch mit einer IRIDIUM-GO Satellitentelefonanlage, einem AIS, einer McMurdo-EPIRB und dem WIFI Router YACHT SENSE LINK wiederum von Raymarine.
  • Das Schiff bekam von uns ein Cockpit Boden- und Sitzbankgräting aus Sepali Holz verpasst.
  • Rettungsinsel (Plastimo TransOcean) und Dinghi (Highfield 260) wurden neu angeschafft.
  • Alle Polster von Cockpit und Salon wurden mit neuem Stoff überzogen und der Salon bekam neue Vorhänge. 
  • Die Gasanlage wurde gecheckt und wo nötig, mit neuen Schläuchen und Ventilen versehen.
  • Die WC Anlage (LAVAC) und alle Wasserhähne wurden erneuert.


An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz speziell bei der Firma OBER YACHTELEKTRONIK in Lustenau, über die wir das ganze elektronische Equipment bezogen haben und ganz speziell bei Hubert Ober bedanken, der uns in der Vorbereitung bestens beraten hat und jederzeit für Tipps und nützliche Informationen bei der Installation der Geräte zur Verfügung stand und steht.


Ebenso einen besonderen Dank möchte ich meinen drei langjährigen Freunden Michael Meusburger, Harald Kühne  und Manfred Würzner mit Petra aussprechen !!!

  • Michael war mehrmals mit in Griechenland und hat mit mir gemeinsam die komplette Elektronik im Schiff erneuert - ohne dich hätte ich das NIE geschafft, Michael !!! Auch hat er im Spätsommer 2022 unser Auto zurück nach Vorarlberg gefahren.


  • Harry hat für unsere "peu a peu II "eine  elektromechanische Notsteuerung konstruiert und gebaut, die uns in einer "worst -case" Situation helfen soll, das Schiff sicher in einen Hafen, oder eine Bucht zu steuern. Auch wenn wir natürlich hoffen, dass wir diese "Hightech - Konstruktion" nie brauchen werden, gibt sie uns doch ein beruhigendes Gefühl.


  • Manfred und Petra, unsere Allgäuer Wetterzentrale, lassen uns vor längeren Passagen die Wettervorhersagen verschiedener Meteorologischer Institute zukommen, welche wir dann vor Ort mit unseren Informationen abgleichen und somit ein recht gutes Bild der momentanen Wettersituation erhalten.                    Zudem war Manfred der Neptun unserer "peu a peu II" bei der Bootstaufe.


Bedanken möchten wir uns auch bei Phillip und Petra, die wir in Griechenland kennen gelernt haben!

  • Phillip und Petra sind  in Kilada immer zur Stelle, wenn wir sie brauchen, sie wissen wo & wie man etwas in Griechenland bekommt - haben beste Kontakte, helfen uns bei Behördengängen etc. und sind immer da, um alle kleineren und größeren Problemchen in den Griff zu bekommen. Phillip, der Motorenfachmann, hat schon so manche Stunde im Motorraum unserer "peu a peu II" verbracht.

Das Zeitfenster bis zum geplanten Start ........

war zwar recht knapp bemessen, das wussten wir - dennoch wollten wir (vor allem ich) nichts unversucht lassen, um noch in den Sommermonaten 2022 starten zu können.

Als spätester Starttermin war  der 1. August 2022 angepeilt.

Wir hatten jedoch zuvor noch einige TO DO Listen abzuarbeiten, sowohl zu Hause

  • Auflösung Arbeitsverhältnis Uschi (per Ende April 2022)
  • Reiseplanungen
  • Impf- & Arzttermine
  • Versicherungsabschlüsse
  • Bankabsprachen 
  • Bestellungen
  • Organisation Betreuung von Haus & Grundstück
  • Abschiedsfest & Bootstaufe
  • etc.

als auch am Schiff

  • Erneuerung aller elektronischer Komponenten (siehe oben)
  • Ersetzen der Verbraucherbatteriebank
  • 2facher Neuanstrich incl. Vorarbeiten von Rumpf und Deck
  • Sitz- und Bodengräting im Cockpit
  • Erneuerung Polster Cockpit und Salon
  • Teilweiser Austausch von Fallen und Schoten
  • Unterwasseranstrich incl. Vorarbeiten
  • Problemlösungen suchen (Kühlschrank, Wasserleitungen, Warmwasser, Heizung)
  • etc.

Lieferverzögerungen wichtiger Komponenten auf Grund der Ukraine Krise machten uns ebenso zu schaffen, wie der Verlust unserer Schiffspapiere bei einem Behördengang, das Hacken unserer Kreditkarte, sowie der Diebstahl eines Mobiltelefons. Alles Dinge, welche unseren geplanten Start immer weiter verzögerten.
 
Der geplante Lossegeltermin 1. August war längst in weite Ferne gerückt und es wurde schließlich fast Ende September, bis wir endlich starten konnten.

Dies war eigentlich sehr spät (zu spät) für die lange Passage quer durch das Mittelmeer bis auf die Kanaren- immerhin eine Reise von ca. 2500 nm.




 



 

Erster Anlauf:   Sail Away peu a peu II

Eigentlich hätte ich es wissen müssen und auf den guten Rat unseres Freundes Phillip und seiner Frau Petra, beide erfahrene Segler und schon lange in Griechenland lebend, hören müssen, die uns rieten erst im kommenden Jahr zu starten, damit wir das Schiff besser kennenlernen und so die "Kinderkrankheiten" ausmerzen konnten. Ich wollte diesen guten Ratschlag aber einfach nicht zur Kenntnis nehmen und hatte mir in den Kopf gesetzt, die Reise noch im Herbst zu starten, es würde schon irgendwie gehen, dachte ich mir. Wir hatten so viel Zeit und Energie in die Adaptierung des Schiffes und Vorbereitung der Reise gesteckt, dass ich einfach den Starttermin nicht verschieben wollte --- ein Fehler, wie sich noch herausstellen sollte ..........

  • Wir konnten das Schiff und seine Besonderheiten tatsächlich in der kurzen Zeit einfach viel zu wenig kennenlernen und waren von Anfang an  mit kleineren und größeren Anpassungen und Reparaturen beschäftigt.


  • Die Wetter- und Windverhältnisse ändern sich im Herbst im Mittelmeer wesentlich, das Wetter wird unbeständiger, der Wind stärker und die Windrichtung oft ungünstiger. 


  • Wir mussten also vom Start weg immer wieder Pausen einlegen, um günstige Wetterfenster abzuwarten. Dafür hatten wir aber eigentlich keine Zeit, denn wenn wir die Passage zu den Kanaren überhaupt schaffen wollten, dann mussten wir segeln, segeln, segeln ......... und das auch bei weniger guten Bedingungen.


  • Das alles drückte sehr auf die Stimmung an Bord und ich war mir nicht sicher, ob Uschi das noch lange durchhalten, bzw. es eine Meuterei auf der "peu a peu II" geben würde. Wir hatten einfach keine Zeit, um in einer der unzähligen wunderschönen Ankerbuchten ein paar Tage zu relaxen (z.B.: baden, historische Orte besichtigen, Restaurantbesuche u.ä.)


  • Hinzu kamen dann auch noch größere Probleme mit der Technik (z.B.: Ölverlust beim Motor, gravierende Probleme mit der Hydrauliksteuerung, undichte Wassertanks u.w.m.)


UND SO KAM ES, WIE ES EIGENTLICH KOMMEN MUSSTE, KURZ VOR SIZILIEN ENTSCHLOSSEN WIR UNS  NACH LÄNGERER ÜBERLEGUNG UND SCHWEREN HERZENS DIE REISE  ABZUBRECHEN.

  • Es war uns beiden nun klar, dass wir so nicht auf Langfahrt gehen, sprich die Ozeane überqueren konnten. Wir mussten einfach zuerst die Baustellen am Schiff in Ordnung bringen.
  • Dafür brauchten wir Zeit, Zeit die wir eigentlich nicht hatten und so blieb uns nichts anderes übrig, als die Reißleine zu ziehen.
  • Da wir uns in Griechenland sehr wohl fühlten, fiel der gemeinsame Entschluss wieder zum Ausgangspunkt zurück zu segeln.
  • Und so wurde unsere peu a peu II Anfang November nach ca. 1.000 nm in Kilada wieder aus dem Wasser ins Trockendock  befördert.


SO SCHNELL WOLLEN WIR UNS ABER NICHT GESCHLAGEN GEBEN. IM MAI  2023 GEHEN WIR WIEDER INS WASSER UND WERDEN DIESMAL DEUTLICH MEHR ZEIT FÜR DIE  LANGE ÜBERFAHRT ZU DEN KANAREN EINPLANEN:


Zweiter Anlauf !

2023

Am 29. Mai wurde unser Schiff wieder ins Wasser befördert .....

....unter NEWS (News - Archiv) und BILDER könnt ihr uns wieder auf unserer Reise folgen .....